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KI in Bewegung: Die rasante Entwicklung der Foundation Models

Wie misst man eigentlich, wie „intelligent“ ein KI-Modell ist?

Eine mögliche Antwort liefert der Artificial Analysis Intelligence Index (AAII) – ein kombinierter Bewertungsmaßstab, der die Leistungsfähigkeit sogenannter Frontier Models über verschiedene Benchmarks hinweg vergleicht. Version 2.2 des Index integriert aktuell acht Testformate, die unterschiedliche Fähigkeiten der Modelle abdecken:


  • MMLU-Pro – breites Wissen über mehr als 50 Fachbereiche

  • GPQA Diamond – komplexe Multiple-Choice-Fragen mit begründeter Auswahl

  • Humanity’s Last Exam – sprachlich-logisches Denken in akademischem Kontext

  • LiveCodeBench – praktische Programmieraufgaben mit Code-Ausführung

  • SciCode – wissenschaftliches Reasoning in MINT-Fächern

  • AIME – mathematische Problemlösung mit Fokus auf logischem Denken

  • IFBench – korrekte Instruktionsbefolgung in vielschichtigen Aufgabenstellungen

  • AA-LCR – logikbasierte Chain-of-Thought-Reasoning-Aufgaben


Der daraus resultierende Score zeigt, wie gut ein Modell über alle Aufgaben hinweg abschneidet – und bietet eine konsistente Vergleichsbasis über Zeit, Anbieter und Generationen hinweg. Ein Blick auf den aktuellen Zeitverlauf macht deutlich: Die Fortschritte sind enorm und die Sprünge zwischen den Generationen riesig.


Zwischen GPT-4o, o1-preview und dem aktuellen o3-Modell von OpenAI liegen beispielsweise nur wenige Monate. Dennoch trennen diese Versionen erhebliche Leistungsunterschiede. Die Modelle erschließen zunehmend neue Kompetenzbereiche – insbesondere die Bereiche Reasoning. Multistep-Denken, Problemanalyse und Coding rücken in den Fokus, mit Ergebnissen, die inzwischen an professionelle menschliche Fähigkeiten heranreichen bzw. diese übertreffen.


Mehrere Modelle verschiedener Anbieter erreichen mittlerweile gleichzeitig ein Leistungsniveau, das bis vor Kurzem unerreichbar schien. Dahinter folgen zudem weitere, durchaus konkurrenzfähige Modelle – teils mit kleineren Abstrichen, teils auch mit kontroversen Diskussionen.



Reasoning als neuer Maßstab

Sprachverarbeitung ist inzwischen Basisniveau – Unterschiede zeigen sich heute vor allem in der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen, logische Schlussfolgerungen zu ziehen und strukturierte Lösungsschritte zu entwickeln. Genau hier greifen die anspruchsvolleren Benchmarks, und genau hier entstehen die größten Leistungsunterschiede.


Diese Entwicklung hat auch praktische Folgen: Während frühere LLMs vorrangig für Textgenerierung und Assistenzdienste eingesetzt wurden, lassen sich aktuelle Modelle zunehmend für höchstkomplexe analytische, codierungsnahe und strategische Aufgaben nutzen.


Architektur & Austauschbarkeit: Flexibilität als Designprinzip

Mit der Geschwindigkeit, in der neue Modelle erscheinen, steigt der Druck auf technische Infrastrukturen. Systeme, die stark auf ein einzelnes Modell zugeschnitten oder schwer anpassbar sind, geraten schnell ins Hintertreffen – insbesondere, wenn bestehende Integrationen nicht mehr zum aktuellen Stand der Technik passen.


KI-Systeme sollten von Beginn an modular, austauschbar und möglichst modellunabhängig aufgebaut sein. Nur so lassen sich neue Releases zügig einbinden, ohne grundlegende Anpassungen an Logik oder Infrastruktur. Ein solches Maß an technischer Flexibilität erhöht nicht nur die Wartbarkeit, sondern sichert auch die Zukunftsfähigkeit eines Systems.


Robustheit gegenüber Modellwechseln wird damit zur zentralen architektonischen Anforderung – nicht als optionales Feature, sondern als Voraussetzung für nachhaltige Skalierung.


Die aktuelle Marktsituation zeigt: Es gibt nicht mehr das eine „beste“ Modell. OpenAI nimmt weiterhin eine führende Rolle ein, doch Anbieter wie Google (mit Gemini) oder Anthropic (mit Claude) sind in vielen Bereichen gleichauf. Weitere Hersteller wie etwa xAI oder Mistral liefern zunehmend konkurrenzfähige Ergebnisse – oft mit spezifischen Stärken in bestimmten Benchmarks oder Einsatzfeldern.


In dieser Situation wird klar: Wer auf langfristige Bindung an ein Modell oder Ökosystem setzt, geht strategische Risiken ein. Technologische Flexibilität wird zum Schlüssel, um kontinuierlich von Fortschritten zu profitieren und Abhängigkeiten zu vermeiden.


Fazit

Wir erleben keine lineare Fortschrittskurve. Die Entwicklung von Foundation Models folgt einem beschleunigten, sprunghaften Muster – mit konkurrierenden Anbietern, sich verändernden Benchmarks und einer hohen Dynamik auf allen Ebenen.


Der entscheidende Vorteil liegt nicht in der Wahl eines bestimmten Modells, sondern in der Fähigkeit, mit der Modellentwicklung Schritt zu halten. Wer seine Systeme darauf nicht vorbereitet, wird in einer Welt kontinuierlicher KI-Iteration schnell den technologischen Anschluss verlieren.


Frontier Language Model Intelligence, Quelle: Artificial Analysis (2025)
Frontier Language Model Intelligence, Quelle: Artificial Analysis (2025)

Quelle: Artificial Analysis Intelligence Index v2.2 (August 2025)



 
 

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